Vom KPD-Verbot bis zum Majdanek-Prozeß

Friedrich Karl Kaul - Beruf: Linksanwalt

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom April 2011 von Ralph Dobrawa

Es gab wohl kaum einen Anwalt in beiden deutschen Staaten im Zeitalter des Kalten Krieges, der so bekannt war wie er: Friedrich Karl Kaul, 1906 in Posen geboren, entstammte er der Familie eines Textilfabrikanten. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Berlin und Heidelberg musste er im Rahmen seiner Referendarzeit einen Prozess erleben, der ihm die Augen öffnete. Sein Glaube an die Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Justiz wurde heftig beeinträchtigt als er 1929 miterlebte, als sich herausstellte, dass 10 Jahre zuvor ein Ermittlungsrichter die Mörder von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg geschont hatte. Bald darauf wandte er sich der `Roten Hilfe" zu und besuchte linke politische Veranstaltungen.

Nach der Machtergreifung Hitlers fand sich Kaul im Konzentrationslager wieder und wurde 1937 dort nur unter der Bedingung entlassen, dass er nach Übersee geht und nicht zurückkehrt. So musste er sich in Kolumbien, Panama und Nikaragua durchschlagen und wurde letztlich in den USA interniert. Nach Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück. Er entschied sich für die Sowjetische Besatzungszone. 1948 erhielt der inzwischen 42-jährige Jurist eine Anwaltszulassung, die für alle vier Besatzungszonen von Berlin galt und die bis zu seinem Tode die Grundlage dafür bot, dass er auch vor westdeutschen und Westberliner Gerichten auftreten konnte. In den 50er und 60er Jahren hat er zahlreiche unserer Genossen verteidigt, die durch die Adenauer-Justiz verfolgt worden sind. Im KPD-Verbotsprozess war er einer der Prozessbevollmächtigten der Partei. Ab 1963 wirkte Kaul in 17 Prozessen gegen nazistische Gewaltverbrecher in der Bundesrepublik als Vertreter der Nebenkläger mit und trug auf diese Weise dazu bei, dass die Aufklärung dieser Gewalttaten intensiver betrieben werden musste. Er schrieb mehr als 30 Bücher. Neben mehreren Pitavalen aus vier Jahrzehnten schrieb Kaul über den Eichmann-Prozeß, den Thälmann-Mord, aber auch Watergate und die Morde der chilenischen Junta und - Kriminalromane.

In der DDR war FKK durch eine Ratgebersendung im Rundfunk und im Fernsehen sehr populär und sein Anwaltsbüro unweit des Berliner Fernsehturms war eine stets gut besuchte Adresse. Professor Dr. Kaul starb vor 30 Jahren am 16. April 1981. Seine Verdienste bleiben unvergessen. Ralph Dobrawa

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