Die Tokioter Prozesse

Anklageerhebung gegen die japanischen Kriegsverbrecher

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom April 2011 von AR

Analog zu den Nürnberger Prozessen gegen die deutschen Kriegsverbrecher fanden in Tokio Prozesse gegen die japanischen Kriegsverbrecher statt. Am 29. April 1946 wurde Anklage erhoben. Auf der Anklagebank saßen drei ehemalige Ministerpräsidenten, zwei ehemalige Generalstabschefs, diverse Minister, Generale und Inhaber höchster Ämter der japanischen Regierung und des japanischen Militärs. Jeweils ein Richter kam aus den USA, der Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, der Republik China, Australien, Neuseeland, Kanada, Indien und den Philippinen. Offensichtlich scheuten sich die Siegermächte davor, den Kaiser und die Wirtschaftselite des Landes vor Gericht zu stellen.

Die ursprünglich 55 Anklagepunkte wurden im Verlauf des Prozesses in zehn Punkte zusammengefasst, darunter das Führen jeweils eines Angriffskrieges gegen die USA, die UdSSR, das Commonwealth, die Niederlande und Frankreich, das Führen eines unprovozierten Krieges gegen China und die Vernachlässigung der Pflicht, Gräueltaten zu vermeiden. Die Angeklagten wurden zu den einzelnen Punkten in sehr unterschiedlicher Weise für schuldig oder unschuldig befunden. Auch gab es Sondervoten, so dass es letztendlich um Mehrheitsentscheidungen ging. Der indische Richter Radhabinod Pa plädierte für Freispruch, da er das gesamte Verfahren als Siegerjustiz wertete. Sieben der etwa 25 Angeklagten wurden zum Tode verurteilt.

Auch wenn die Untaten des japanischen Imperialismus im Zweiten Weltkrieg nicht an die Verbrechen der deutschen Faschisten heranreichen, hatte sich der inhumane Charakter der japanischen Kriegsführung in zahlreichen Verletzungen des Völkerrechts geäußert.

Erinnert sei an das Massaker von Nanking (Ostchina), bei dem japanische Truppen mindestens 200 000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet und rund 20 000 Mädchen und Frauen vergewaltigt hatten. Zum Schuldkonto der japanischen Imperialisten sind auch Menschenversuche zu zählen. Während des Zweiten Weltkrieges führten etwa 20 000 japanische Ärzte unmenschliche Experimente an zahlreichen Menschen durch. Opfer waren hauptsächlich chinesische Zivilisten, aber auch philippinische, indonesische und vietnamesische Zivilisten und amerikanische, britische und australische Kriegsgefangene. Die ersten dieser Experimente begannen schon vor dem Zweiten Weltkrieg in der Mandschurei. Vor allem die Wirkung von Granaten wurde an Menschen aus unterschiedlichen Entfernungen und Positionen getestet und Unterkühlungsexperimente sowie Experimente mit hohen Druckunterschieden wurden mit Menschen durchgeführt. Dazu kam die rücksichtslose Ausbeutung der okkupierten Länder, Terror gegen die Zivilbevölkerung und lokale Massaker und Übergriffe.

Zweifellos waren die Urteile auch in dieser Härte gerechtfertigt. Fraglich bleibt, ob die Auswahl der Angeklagten und das Strafmaß der historischen Prüfung im Einzelnen standhält.

weitere Daten zum April

Alle aktuellen Angebote von der Karl-Liebknecht-Schule Leverkusen