Manfred Stern, Beruf: Revolutionär

Glanz und Elend des General Kleber

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom April 2011

Anfang April 1921 empfing W. M. Molotow, frischgebackener Sekretär des ZK der KPR(B), den jungen Kommandeur der roten Bürgerkriegsarmee, Manfred Stern. Der schien als ehemaliger Angehöriger der österreichischen Armee geeignet, während der Märzkämpfe in Deutschland als militärischer Berater zu fungieren. Da Stern aus den Kämpfen im Fernen Osten gerufen werden musste, waren die Märzkämpfe bereits vorüber, als er in Moskau ankam.

In den folgenden Jahren studierte Stern an den höchsten Kaderschulen der Partei und der Roten Armee. Außerdem reiste er zwischen 1923 und 1933 in geheimdienstlichen Missionen nach Deutschland, in die USA und nach China. Bis heute ist historisch nicht verbürgt, was Stern dort im Einzelnen tat. Geheimdienstarchive sind vor allem eins - geheim. Manfred Stern soll als Militärberater Thälmanns am Hamburger Aufstand beteiligt gewesen sein. Außerdem soll er in den USA an der Beschaffung von Prototypen und Pläne des Panzers M1928 mitgewirkt haben, dessen Konstruktion zur die Grundlage des sowjetischen T34 wurde, des erfolgreichsten Panzers des II. Weltkrieges.

Bekannt wurde Manfred Stern im November 1937 als "General Kleber", erster Kommandeur der 11. (1.) Internationalen Brigade. Die hielt unter großen Opfern den scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch der spanischen Faschisten gegen Madrid auf. Das deutsche Außenministerium hatte schon das Glückwunschtelegramm an Franco für die Einnahme der spanischen Hauptstadt formuliert.

Klebers Name ging durch die Weltpresse. In ihren Memoiren von 1962 dankt Dolores Ibárruri dem "Genossen Kleber" als erstem von allen Internationalen Kämpfern für die Unterstützung des Kampfes der Spanischen Republik. Dies ist auch insofern bemerkenswert, als Manfred Stern am 18. Februar 1954 im sibirischen Arbeitslager Sosnowka verstorben war. 1938 war er wie so viele andere auch in die Fänge des NKWD geraten und 1939 nach erfolterten Geständnissen zu einer wie sich dann herausstellte lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Im II. Weltkrieg bat er Stalin in einer Eingabe um Verwendung an der Front. Einen General Kleber hätte die Rote Armee wohl gut gebrauchen können. Eine Antwort gab es nie, obwohl sich der hochrangige Komintern-Funktionär Manuilski - vorsichtig - für ihn verwendete. Zum XIX. Parteitag der KPDSU im Oktober schrieb Manfred Stern ein weiteres Mal an Stalin, diesmal bat er um "väterliche Nachsicht". Auch hier keine Antwort; selbst nicht nach Stalins Tod.

Während er im Lager saß, dienten zwei seiner Brüder als Offiziere in der Roten Armee. In der DDR war Wolf später Leiter des Instituts für Deutsche Militärgeschichte in Potsdam. Leo wurde Rektor der Martin-Luther-Universität in Halle.

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