Aufruf des ADGB zum 1. Mai mit den Nazis

am 22. April 1933

In einem Aufruf des ADGB-Bundesausschusses werden die Gewerkschaftsmitglieder aufgefordert, sich an den offiziellen Maifeiern zu beteiligen, mit denen die Hitlerregierung den 1. Mai zum chauvinistischen "Tag der nationalen Arbeit" verfälschte und zu demonstrieren versuchte, dass sie von der Arbeiterschaft unterstützt werde.

Der Aufforderung der ADGB-Führung ist allerdings nur ein kleiner Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gefolgt. Zugleich kam es in einer Reihe von Städten zu Gegendemonstrationen. Das Unterfangen, die freien Gewerkschaften dem faschistischen Staat unterzuordnen, war indes aussichtslos. Da die Masse der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter den offiziellen Anpassungskurs ablehnte und der ADGB mit seinen Verbänden somit trotz der Haltung der Führung Sammelbecken oppositionellen Potentials geblieben wäre, waren die Führer der NSDAP fest entschlossen, ebenso wie alle anderen Arbeiterorganisationen auch die Gewerkschaften zu zerschlagen.

Dies geschah am 2. Mai 1933. Nur einen Tag nach den von der ADGB-Führung unterstützten Maifeiern der Regierung wurden die freien Gewerkschaften "gleichgeschaltet". Die SA besetzte in ganz Deutschland die Gewerkschaftshäuser, das Gewerkschaftsvermögen wurde beschlagnahmt, die gewählten Gewerkschaftsleitungen wurden entfernt und durch faschistische Kommissare ersetzt.

Der Verzicht auf Kampfmaßnahmen und die widerstandslose Kapitulation nach dem 30. Januar 1933, konnten die freien Gewerkschaften nicht vor der Vernichtung bewahren.

aus (F. Deppe/G. Fülberth/J. Harrer, Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, Köln (Pahl-Rugenstein) 1977

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