Beginn des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt

20. Dezember 1963

Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess wurde am 20. Dezember 1963 eröffnet und am 20. August 1965 mit der Urteilsverkündung beendet. Er war der zum damaligen Zeitpunkt größte Schwurgerichtsprozess der deutschen Justizgeschichte. Angeklagt waren zunächst 24, später 22 Angeklagte, unter ihnen der ehemalige Adjutant des Lagerkommandanten, Robert Mulka. Nach ihm wurde der Prozess "Strafsache gegen Mulka und andere, 4 Ks 2/63" genannt. Das Gericht tagte an 183 Verhandlungstagen, zunächst im Plenarsaal der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung im "Römer". Seit April 1964 trat das Gericht im gerade eröffneten Bürgerhaus Gallus zusammen.

In den zwanzig Monaten Prozessdauer hörte das Schwurgericht 360 Zeugen, von denen 211 Überlebende von Auschwitz waren. Detaillierter und umfassender als im Auschwitz-Prozess wurde das Gesamtgeschehen der "Endlösung" in keinem der vorausgegangenen Verfahren in Deutschland dargelegt. Er stieß daher auf großes öffentliches Interesse. Man schätzt, dass etwa 20.000 Zuschauer die Hauptverhandlung verfolgten, unter ihnen viele Schulklassen. Auch die Presse widmete dem Verfahren große Aufmerksamkeit.

Im August 1965 verkündeten die Richter das Urteil im Auschwitz-Prozess. Sie befanden zehn Angeklagte der gemeinschaftlichen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord schuldig. Nach der Mindestzahl der Opfer, die der Begründung im Einzelfall zugrunde gelegt wurden, hatten sie Beihilfe zum Mord an 28.910 Menschen geleistet. Sieben der Angeklagten wurden wegen Mord beziehungsweise gemeinschaftlichem Mord an 4.243 Menschen verurteilt. In 605 Fällen konnte der Mord als selbstständige Tat nachgewiesen werden. Drei Angeklagte wurden freigesprochen.

aus Frankfurt, Institut für Stadtgeschichte

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