Vorkämpfer der Aktionseinheit

Ernst Meyer, der "vergessene" KPD-Führer

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom 18. Februar 2011

Vor 90 Jahren, im Februar 1921, übernahm Ernst Meyer die Funktion eines Leiters des Politischen Büros der KPD und war damit de faeto Vorsitzender der Partei. Er übte diese Funktion etwa zwei Jahre lang aus, wurde aber im August 1922 von Heinrich Brandler, dem späteren Führer der KPD-Opposition, entmachtet und als Vertreter der Partei zum EKKI nach Moskau geschickt.

Meyers politisches Wirken in der Weimarer Republik bis zu seinem Tod 1930 ist geprägt von seinem Kampf für die Einheitsfrontpolitik. Noch in der Märzaktion von 1921 gehörte Meyer allerdings zu den Anhängern der voluntaristischen "Offensiv"- Theorie. Die verheerende Niederlage der Aufständischen vor allem in Mitteldeutschland wurde von der Zentrale der KPD mit Lenins Hilfe jedoch richtig analysiert. Unter Meyers Mitwirkung kehrte man zur Einheitsfrontpolitik zurück.

Doch blieb diese umstritten. Meyer zeigte von nun an in allen Phasen der Weimarer Republik ein prinzipielles Verhältnis zur Frage der Aktionseinheit der Arbeiterklasse. Konsequent bekämpfte er die sektiererische Politik der Ultra linken, die 1924 und 1925 mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow die Partei führung stellten.

In dieser Zeit war Meyer der führende Kopf der sogenannten Mittelgruppe, die später als "Versöhnler" diffamiert wurden, auch weil sie versuchten die rechtsopportunistische Gruppe um Brandler und Thalheimer in der Partei zu halten. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass Meyer 1919 den damaligen Vorsitzenden Levi kritisiert hatte, weil der dazu beigetragen hatte, dass die "linksradikale" KAPO sich abspaltete, was für die Partei den Verlust tausender aufrichtiger Revolutionäre bedeutete.

Entsprechend der wechselnden Mehrheiten in der KPD hatte Meyer in den folgenden Jahren verschiedene Positionen inne.

Auf dem 12. Partei 1929, der vom 9. bis 16. Juni im Berliner Wedding stattfand, hielt Meyer eine letzte Rede. Nachjahrelanger Krankheit war er bereits vom Tode gezeichnet. Der Parteitag war überschattet von den Vorfallen um den 1. Mai, als die Berliner Polizei auf Anordnung des sozialdemokratischen Polizeichefs Zörgiebel ein willkürliches Demonstrationsverbot mit Waffengewalt durchgesetzt hatte. Dutzende Proletarier waren ennordet worden.

Meyer erinnerte daran, dass bei aller berechtigten Empörung über Zörgiebel auch die Partei führung Fehler in der Herangehensweise an die Maidemonstration gemacht hatte, weil sie nicht die Aktionseinheit mit den sozialdemokratischen Arbeitern gesucht hatte. Zur Frage der Fehlerdiskussion sagte er: "Und weder die Partei, noch die Komintern, noch Lenin haben sich davon abhalten lassen, durch Selbstkritik das Richtige, das in der Aktion war, zu unterstreichen und die Fehler auszumerzen. Nicht Kritik schadet, sondern die Fehler, die zu Kritik Anlass geben."

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