Der "Offene Brief " vom 7. Januar 1921

Erste Schritte kommunistischer Einheitsfrontpolitik

Quelle: UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom 14. Januar 2011

Im Januar 1921 befand sich Deutschland mitten in der revolutionären Nachkriegskrise. Die soziale Lage der Arbeiterklasse wurde unter den massiven Angriffen des Kapitals immer katastrophaler. Die vor zwei Jahren gegründete KPD hatte bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ihre ersten Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren ermordet worden, den revolutionären Griff zur Macht hatte die Bourgeoisie unter tätiger Mithilfe der Mehrheitssozialdemokraten blutig zurückgeschlagen. Die KAPD hatte sich abgespalten; auf der Habenseite der KommunistInnen standen die Abwehr des reaktionären Kapp-Lüttwitz-Putsches und die Vereinigung mit dem linken Flügel der USPD zur VKPD. Wodurch die erste kommunistische Massenpartei im Westen Europas entstanden war.

In dieser komplizierten Lage entwickelte die Zentrale der VKPD die ersten Schritte der Linkseinheitsfrontpolitik. Die ihren Ausdruck im "Offenen Brief" vom 7.1.1921 fand. Der am 8. Januar in der Morgenausgabe der Roten Fahne veröffentlicht wurde. In diesem wandte sich die Partei an die SPD, die USPD, die KAPD sowie an die Gewerkschaftsorgansiationen Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AfA), Allgemeine Arbeiter-Union, Freie Arbeiterunion (Syndikalisten). Diesen Organisationen wurden im Brief "unmittelbar zu beginnende[n], im einzelnen noch näher zu besprechende Aktionen" vorgeschlagen. In denen sollte sich "die proletarische Klasse als Gesamtheit" gegen die Offensive des Kapitals und die politische Reaktion zur Wehr setzen. Acht Mindestforderungen sollten die soziale und politische Lage der Arbeiterklasse unmittelbar sichern und verbessern.

Die Reaktionen auf diesen Vorschlag waren unterschiedlich. Während die Führer der Mehrheitssozialdemokratie ihn mehr oder weniger pauschal ablehnten, stieß er auf eine breite Resonanz in der Arbeiterklasse selbst. In zahlreichen Betriebsversammlungen und in ihren Organisationen selbst forderten hundertausende Proletarier seiner Linie zu folgen.

Auch in der Kornmunistischen Weltbewegung setzte eine kontroverse Debatte über die neue Politik ein. Im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale bedurfte es der ganzen Autorität Lenins, die ersten Schritte der Einheitsfrontpolitik "ichtig" zu nennen.

Januar und Februar 1921 führte die VKPD den Kampf um die Aktionseinheit weiter, bis sie im Februar - aus anderen Gründen - in eine schwere Führungskrise geriet. In deren Ergebnis wurde eine neue Parteiführung gewählt, die die verhängnisvolle und sektiererische Politik der "Offensiv-Theorie" entwickelte, die erst nach blutigen Niederlagen korrigiert wurde.

Es bleibt das historische Verdienst der deutschen KommunistInnen unter schwierigsten Bedingungen die ersten Schritte der Einheitsfrontpolitik gegangen zu sein.

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