Vorkämpferin der proletarisch Frauenarbeit

Zum 100. Todestag von Emma Ihrer

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom Januar 2011

"Die unversöhnliche Hasserin jedes Vorurteils, die rücksichtslose Verfechterin der vollen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, die unerschrockene Kämpferin gegen alle knechtenden und büttelnden Gewalten war ein grundgütiges Weib, eine durch und durch mütterliche Natur," so charakterisierte Clara Zetkin ihre Freundin und Mitkämpferin Emma Ihrer, als diese am 8. Januar 1911, erst 54 Jahre alt, gestorben war.

Aus katholischem Milieu stammend wurde Emma schon in jungen Jahren eine der Mitbegründerinnen der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Nach dem Biographischen Lexikon zur Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung (Berlin 1970) erwarb sie sich "hervorragende Verdienste bei der politischen und gewerkschaftlichen Organisierung der Arbeiterinnen".

Emma Ihrer wird ebenso wie Clara Zetkin als Delegierte zum Gründungskongress der "II. Internationale" nach Paris gesandt, der vom 14. bis 20. Juli 1889 zusammentrat. Dort wurde der 1. Mai zum internationalen Kampf- und Streiktag erklärt. Nach ihrer Rückkehr aus Paris, wo sie als anerkannte Sprecherin der deutschen Arbeiterinnen sprach, war Emma mehr als je zuvor von der Notwendigkeit der Organisierung von Frauen überzeugt.

1891 hob Emma Ihrer die politische Zeitschrift "Die Arbeiterin" aus der Taufe. 1892 wurde die Zeitschrift in "Gleichheit" umbenannt. Emma fungierte als Herausgeberin, Clara Zetkin übernahm auf Emmas Vorschlag hin die Redaktion. Auf der "Ersten Konferenz der Gewerkschaften Deutschlands" am 16./17. November 1890 war die "Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands" gebildet worden, die größte Vorläuferorganisation des heutigen "Deutschen Gewerkschaftsbundes". In die Generalkommission wurden sechs Männer und eine Frau, nämlich Emma Ihrer, gewählt. Ihr langjähriger Lebensgefährte Carl Legien fungierte bis 1919 als Vorsitzender.

Im November/Dezember 1892 steht Emma - wie schon einige Male vorher -- nach einer Anzeige des Kriegsministers vor Gericht. Stein des Anstoßes ist ihr Satz, "dass gerade die Proletarier weit mehr als die Bourgeoissöhne unter den Kriegsgelüsten zu leiden haben, da namentlich die Herren Leutnants und Fähnriche mit ihren zarten Händen hinten stehen und die Kanoniere ins Feuer schicken". Das Gericht verurteilte Emma zu 200 Mark Geldstrafe.

Noch heute lesenswert sind ihre Schriften "Die Organisation der Arbeiterinnen Deutschlands, ihre Entstehung und Entwicklung" (1893) und "Die Arbeiterinnen im Klassenkampf, Anfänge der Arbeiterinnenbewegung, ihr Gegensatz zur bürgerlichen Frauenbewegung und ihre nächsten Aufgaben." (1898) Beide Texte können aus dem Internet heruntergeladen werden.

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