Emil Carlebach (1914-2001)

ein Lizenznehmer der FR (Frankfurter Rundschau) 1945

Rede von Georg Fürberth zur Veranstaltung anlässlich des 100. Geburtstag von Emil

geboren am 11.07.1914, wuchs gut behütet in einer bürgerlichen, jüdischen Familie auf. Von frühester Jugend an war er politisch neugierig und engagierte sich, sehr zum Unwillen des Elternhauses, im KJVD, dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands und trat mit Beginn einer kaufmännischen Lehre in die Gewerkschaft ein. Die logische Folge war auch der Eintritt in die KPD, Kommunistische Partei Deutschlands.

In seiner Autobiografie "Am Anfang stand ein Doppelmord" schildert Emil seine erste Erfahrungen mit der Arbeiterbewegung in Frankfurt. Den weltweit gegen die Todesstrafe an Nicola Sacco und Bartolemeo Vancetti in den Vereinigten Staaten 1927 organisierten Protesten schloss er sich an. Ein ausgeliehenes Buch, "Das Kapital" von Karl Marx, gab den Anstoß Mitglied der KPD zu werden.

Während einer Rede von Adolf Hitler am 1. Mai 1933, die er mit seiner Jugendgruppe des KJVD am Radio verfolgte, verfasste Emil Carlebach ein Flugblatt gegen Hitlers Pläne, das noch in der gleichen Nacht in die Briefkästen verteilt wurde.
Im Januar 1934 wird er verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Haft wird er in das Konzentrationslager Dachau überstellt und 1938 nach Buchenwald verlegt. Als Häftling 4186 organisiert er unter den Bedingungen der Haft gemeinsam mit anderen Häftlingen den Widerstand im Lager.
Am 4./5. April 1945 gaben sie das Signal des passiven Widerstands bis zur Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11.04.1945. über 21.000 Häftlinge, darunter 903 Kinder, wurden der heranrückenden US-amerikanischen Armee übergeben. Ebenso die noch im Lager verbliebenen und festgenommenen SS-Mannschaftsmitglieder.

Nach der Befreiung 1945 kehrte Emil nach Frankfurt zurück und nahm sofort die politische Arbeit wieder auf. Wie in Buchenwald geschworen, war oberste Priorität: ein antifaschistischer und demokratischer Neubeginn.

Er war einer der von der US-Administration beauftragten Lizenzträger der neugegründeten Frankfurter Rundschau und einer der Chefredakteure. Die gleiche US Behörde entfernte Emil Carlebach bereits 1947 wieder aus der Redaktion und enthob ihn seiner dort innehabenden Ämter. Er wurde Stadtverordneter der KPD in Frankfurt, Landtagsabgeordneter der KPD, wo er auch an der Erarbeitung der Hessischen Verfassung mitarbeitete. Er war mit Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Sowohl in Frankfurt, als auch in Hessen und auf gesamtdeutscher Ebene machten in den Jahren 1946/47 er und seine Kameraden auf verhängnisvolle Entwicklungen aufmerksam. Sie protestierten gegen schleppende Entschädigungszahlungen und gegen die Rehabilitierung alter Nazis.

Nach dem KPD-Verbot 1956 - das bis heute nicht aufgehoben wurde - musste Emil Carlebach die BRD verlassen, um erneuten Schikanen zu entgehen. Er lebte bis zur Konstituierung der DKP in die DDR und arbeitete dort als Journalist bei dem "Freiheitssender 904" der KPD. Nach seiner Rückkehr 1969 in die Bundesrepublik war er über lange Jahre Mitglied des Präsidiums der VVN-BdA und später Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung "die tat". Wichtig war für ihn auch die Arbeit als Journalist innerhalb der "dju" - Deutsche Journalisten-Union.

Anfang der 70er Jahre übernahm er verstärkt Funktionen in der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora und vertrat die deutschen Kameraden als Vizepräsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Bis Ende der 90er Jahre war Emil in unterschiedlichsten Funktionen innerhalb der DKP aktiv und beteiligte sich mit Rat und Tat bei Demonstrationen und Veranstaltungen.

Emil Carlebach starb am 09. April 2001 und wurde auf dem Hauptfriedhof Frankfurt a. Main beerdigt.

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