Der Kommissarbefehl

Element des Vernichtungskrieges

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom 24. Juni 2011 von AR

Mit 22. Juni 1941, dem Tag des Überfalls auf die Sowjetunion, fand der völkerrechtswidrige sogenannte Kommissarbefehl seitens der deutschen Wehrmacht Anwendung. Die "Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare" vom 6. 6. 1941 besagten, dass alle gefangengenommenen politischen Funktionäre sofort zu erschießen seien. Hitlers Befehl war der letzte in einer Reihe von Anweisungen, die das faschistische Oberkommando im Frühjahr und Sommer 1941 mit dem Ziel ausgearbeitet hatte, große Teile der sowjetischen Bevölkerung zu vernichten.

Dazu gehörte die "Weisung Nr. 21" vom 13. 3. 1941, die der Wehrmacht die Rolle als Exekutivorgan in den besetzten Gebieten zuwies. Ferner gab es die "Richtlinien betr. Behandlung politischer Hoheitsträger" vom 12. 5. 1941, die die Ermordung von Funktionären der KPDSU und der Staatsorgane der UDSSR vorsah. Außer dem der "Erlaß über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet ´Barbarossa´ und besondere Maßnahmen der Truppe" vom 13. 5. 1941, der den Wehrmachtsangehörigen für an der sowjetischen Bevölkerung begangene Verbrechen Straffreiheit zusicherte. Diese völkerrechtswidrigen und verbrecherischen Befehle und Anweisungen bildeten die Grundlage für die Ermordung hunderttausender Sowjetbürger und -bürgerinnen. Deutscherseits war man sich über den verbrecherischen Charakter sehr wohl bewusst, was auch darin zum Ausdruck kam, dass der Kommissarbefehl schriftlich nur bis zur Führungsebene der Armeeoberbefehlshaber bzw. der Chefs der Luftflotten weitergegeben wurde. An die darunter liegenden Führungsebenen wurde der Befehl mündlich weitergegeben.

Das weitgehende Fehlen schriftlicher Aufzeichnungen wurde nach dem Krieg von vielen Wehrmachtsoffizieren zu der Behauptung genutzt, dass der Befehl in ihrem Bereich nicht weitergegeben und somit nicht ausgeführt wurde. Das prominenteste Beispiel ist der Generalfeldmarschall von Manstein, der bei Kriegsausbruch das 56. Armeekorps der Heeresgruppe Nord befehligte. In seinen Memoiren "Verlorene Siege" von 1955 schreibt er: "Ich sah mich ... gezwungen, meinen Vorgesetzten zu melden, dass in meinem Befehlsbereich der Kommissarbefehl nicht ausgeführt werden würde." Vor dem Nürnberger Militärtribunal, knapp 10 Jahre davor, sah er sich noch "gezwungen" den Kommissarbefehl vom Völkermord "abzugrenzen": " Der Kommissarbefehl betraf ja letzten Endes nur die Beseitigung von Elementen, die, sagen wir mal, von der Sowjetseite den Krieg über das Militärische hinaus zum Weltanschaulichen steigern sollten und den Kampf, sagen wir mal, bis aufs Messer bei ihrer Truppe durchsetzen sollten. Das hat mit der Ausrottung von Teilen der Bevölkerung nichts zu tun ..." Ebenfalls in seinen Memoiren bezeichnet er die Kommissare als Nichtsoldaten, "denen in erster Linie diejenigen Methoden des Kampfes und der Behandlung Gefangener zuzuschreiben waren, die im krassen Gegensatz zu den Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung standen."

Die Widersprüchlichkeit und Perfidität der Mansteinschen Argumentation lässt bereits vermuten, dass die Erschießung von Kommissaren auch in seinem Befehlsbereich durchaus nicht als Verbrechen angesehen wurde. Beweise dafür hat Felix Römer in seinem Buch "Der Kommissarbefehl. Wehrmacht und NS-Verbrechen an der Ostfront 1941/42" (Paderborn, 2008) vorgelegt. Allein am 9. 7. 1941 meldete das von Manstein befehligte LVI. Panzerkorps die Erschießung von vier Kommissaren. Römer hat anhand der noch vorhandenen Akten der Wehrmacht insgesamt 2 252 Kommissarerschießungen bei den drei Heeresgruppen belegt. Angesichts der vielfach verloren gegangenen Akten, der Scheu schriftliche Zeugnisse der eigenen Verbrechen zu hinterlassen, muss von einer hohen Dunkelziffer weiterer Erschießungen ausgegangen werden.

Bereits 1983 kommt das Standardwerk des militärgeschichtlichen Forschungsamtes "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" bezüglich der Behauptungen über die angebliche Nichtausführung des Kommissarbefehls zu dem Schluss: "Nach dem Kriege geäußerte Zweifel an der sachlichen Richtigkeit der erhalten gebliebenen Meldungen können die Tatsache seiner Durchführung ebensowenig verwischen wie die Argumentation, die Erschießung der Kommissare in den Gefangenenlagern beweise, dass die Truppe den Erlass nicht befolgt habe. Denn bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Oberkommando des Heeres Sonderkommandos der Sicherheitspolizei und des SD die Aussonderung und Exekution der Kommissare in den Gefangenenlagern im Operationsgebiet des Heeres überließ - Anfang Oktober 1941 - verfuhren die Lagerkommandanten gemäß den vom OKH erlassenen ´Sonderanordnungen´, d. h. im Sinne des Kommissar- und Gerichtsbarkeitserlasses."

Der Politkommissar

Die politischen Kommissare bzw. Leiter waren Offiziere, die dem Kommandeur der jeweiligen Einheit zunächst gleichberechtigt, später als Stellvertreter beigegeben waren. Sie waren verantwortlich für die politische Information und Erziehung der Soldaten.

Sie trugen während des Zweiten Weltkrieges entscheidend dazu bei, dass die Rote Armee auch in komplizierten Gefechtslagen nicht aufgab.

weitere Daten zum Juni

Alle aktuellen Angebote von der Karl-Liebknecht-Schule Leverkusen