Die Scottsboro-Boys

Weltweite Solidarität gegen rassistische Todesurteile

aus UZ (Unsere Zeit), Zeitung der DKP vom 11. März 2011

Im März 1931 wurden neun schwarze Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren, die in einem offenen Güterzug durch das ländliche Alabama fuhren, inhaftiert, weil sie der Vergewaltigung von zwei weißen Frauen beschuldigt worden waren, die ebenfalls in dem Zug fuhren. Schauplatz des folgenden Verfahrens war Scottsboro, Alabama. In der kleinen Stadt fand nun einer der berühmt-berüchtigtsten Bürgerrechtsprozesse in der Geschichte der Vereinigten Staaten statt, in dem acht der "Scottsboro-Boys" in einem ersten Verfahren, das ganz vom Rassismus bestimmt war, rasch schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurden. Nur der 13-jährige Roy Wright wurde "verschont" und zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Die skandalösen Umstände des Verfahrens empörten die schwarze Bürgerrechtsbewegung. So hatten die neun Jungen nur zwei Verteidiger, von denen einer ein Immobilienanwalt aus Tennessee war, der während des gesamten Verfahrens betrunken war. Der andere war ein ortsansässiger Anwalt, der seit Jahrzehnten keinen Fall mehr verhandelt hatte. Außerdem stellte sich heraus, dass die beiden vergewaltigten Frauen Prostituierte waren, die man zu ihrer Aussage gezwungen hatte.

Der Protest schwoll an. Innerhalb der USA. aber auch weltweit. Die Internationale Rote Hilfe, die 1922 in Moskau als politisches Gegenstück zum Roten Kreuz gegründet worden war, nahm sich im Sommer 1931 der "Negerjungen" an. In Deutschland gehörten die Kinder- und Jugendgruppen der Roten Hilfe zu den Aktivisten der Kampagne. Eine Mutter von zwei der zum Tode verurteilten Jungen kam 1932 auf Einladung der Roten Hilfe nach Deutschland.

Im gleichen Jahr entschied der Oberste Gerichtshof, dass das Verfahren neu aufzunehmen sei. Eine der beiden Zeuginnen nahm noch vor Beginn des zweiten Prozesses ihre Anschuldigungen zurück. Der Staat Alabama kämpfte jedoch trotz des offensichtlichen Fehlurteils zäh für die Verurteilung der Scottsboro-Boys.

Es bedurfte mehrerer weiterer Prozesse und eines zweiten Eingreifens des Obersten Gerichtshofes, bis 1950 endlich der letzte der zu Unrecht Verurteilten wieder frei war. Allen neun Jungen war damit das Leben gerettet worden. Die weltweite Solidaritätsbewegung hatte daran entscheidenden Anteil. Die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung ging gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor.

Der Fall hatte auch grundsätzliche Bedeutung für die Rechtsprechung in den Vereinigten Staaten. Der Oberste Gerichtshof legte verbindlich fest, dass auch arme Angeklagte das Recht auf einen Verteidiger haben und dass Afro-Amerikaner nicht grundsätzlich vom Geschworenen-Amt ausgeschlossen werden können

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