Generalstreik zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Bizone

12. November 1948

Die enormen Preissteigerungen nach der Währungsreform führten bei Fortbestehen des Lohnstopps (bis Oktober 1948) zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebenslage der arbeitenden Bevölkerung in den Westzonen. Die wachsende Zahl von Demonstrationen und Streiks auf örtlicher und regionaler Ebene sowie diffamierende Angriffe von Ludwig Erhard auf die Gewerkschaften veranlaßten den Gewerkschaftsrat der Bizone im Oktober 1948, einen Generalstreik vorzubereiten und sich damit an die Spitze der Protestbewegung zu stellen.

Im Streikaufruf verlangte der Gewerkschaftsrat der Bizone - die französische Zone war wegen des dort geltenden Streikverbots ausgespart - die Ausrufung des wirtschaftlichen Notstandes. Zu seiner Überwindung sollten zeitlich befristete gesetzliche und administrative Maßnahmen der Preiskontrolle angewandt werden. Neben der Neuordnung der Steuerverfassung, einem gerechten Lastenausgleich und Bewirtschaftungsmaßnahmen im Ernährungssektor bekräftigten die Gewerkschaften ihr Programm der Planung und Lenkung bestimmter Bereiche der Wirtschaft, der Überführung der Grundstoffindustrie und der Kreditinstitute in Gemeineigentum sowie der Demokratisierung der Wirtschaft durch wirtschaftliche Mitbestimmung.

Trotz der zögerlichen Haltung der Gewerkschaftsleitungen, diese Kampfmaßnahmen einzuleiten, beteiligten sich von 11,7 Millionen Beschäftigten der Bizone über neun Millionen an dieser größten Massenaktion der deutschen Gewerkschaftsbewegung seit dem Kapp-Putsch. Diese Demonstration der Kampfentschlossenzeit der Lohnabhängigen der Bizone erhellte zugleich die Möglichkeiten zur Mobilisierung der gewerkschaftlichen Macht. Gleichwohl war auch diese Aktion nicht in eine längerfristige Strategie zur Durchsetzung der Streikforderungen eingebettet und führte daher zu keinem unmittelbaren Erfolg.

Quelle: F. Deppe/G. Fülberth/J. Harrer, Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, Köln (Pahl-Rugenstein) 1977

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