Chile 11. September 1973 - 2010

11. September 2010 Günthersburgpark

Heute vor 37 Jahren ging ein Schock um den Erdenball. In Chile hatte das Militär geputscht und die demokratisch gewählte Sozialistische Regierung unter Salvador Allende wurde gestürzt. Die Hoffnung von Millionen Menschen auf ein menschenwürdiges Leben wurde schlagartig zerstört. Eine Welle des Terrors überzog das Land. Was das für das chilenische Volk bedeutete, konnten die Menschen nur erahnen.Diejenigen, die unter dem deutschen Faschismus gelitten hatten, aber sahen die große Gefahr. Es klingt fast wie ein Hohn, dass Söhne und Töchter hier bei uns Zuflucht fanden, in einem Land, das ihre Väter und Mütter verlassen mussten,um der faschistischen Barbarei zu entkommen.

1933 wurde in Deutschland den Faschisten die Macht übertragen. Am 1. September 1939 entfesselte der deutsche Faschismus, gestützt und gefördert durch das deutsche Kapital, den 2. Weltkrieg. Die Folgen: Über 50 Millionen Menschen wurden weltweit ermordet, Millionen verfolgt, vertrieben, gefoltert und ihrer Würde beraubt.

Am 8. Mai 1945 atmete die Welt auf. Die Deutsche Wehrmacht hatte kapituliert und der Faschismus - so war die große Hoffnung - war in die Knie gezwungen. Doch der Geist lebte weiter. Hochrangige deutsche Militärs und Kriegsverbrecher entzogen sich ihrer eventuellen Verurteilung. Viele flohen in ferne Länder - so auch nach Chile. Wir wissen, dass aus diesen Reihen Berater in Militär und Wirtschaft: in Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern tätig waren. Der, in enger Zusammenarbeit mit den USA, vorbereitete Putsch gegen Allende und das chilenische Volk trägt auch deutsche Handschrift. Die Brutalität gegen das chilenische Volk war barbarisch. Solidarität mit Unterdrückten, mit Verfolgten war und ist nicht selbstverständlich, so auch in der Bundesrepublik nicht. Nicht in allen Bundesländern waren chilenische Flüchtlinge willkommen. Doch es entwickelte sich eine breite, bis heute wirkende partei- und organisationsübergreifende Solidaritätsbewegung.

Wir, die wir heute hier zum Gedenken der Opfer der Militärdiktatur Chiles zusammen gekommen sind, wissen was Faschismus, was Menschenverachtung bedeutet. Wir erheben unsere Stimme, reihen uns ein in den weltweiten Kampf gegen Ungerechtigkeit, Krieg, Hunger und Elend. Wir sind uns einig: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Die Namen der sechs hier im Gedenkstein festgehaltenen chilenischen Freiheitskämpfer stehen stellvertretend für die unzähligen Opfer - sind uns Verpflichtung. Sie sind für die Freiheit ihres Landes gestorben. Sie wurden von einer verbrecherischen Clique ermordet.

Und die Angst wächst wieder, die politische Entwicklung in Chile ist nicht im Sinne freiheitsliebender und friedenssuchender Menschen. Der neue Präsident, Pinera, macht kaum einen Hehl daraus, dass er nicht bestrebt ist, den Opfern der Pinochet-Diktatur gerecht zu werden. Seine Sympathie ist bei den Gruppen, die die Rehabilitation derjenigen fordern, die während der Pinochet-Diktatur Verbrechen gegen die Menschheit begangen haben.

Deshalb ist es nach wie vor richtig und wichtig all die zu unterstützen, die diesen Machenschaften trotzen, die Prozesse gegen die Verbrecher der Pinochet-Diktatur führen - und die dabei aber auch nicht vergessen, dass es in Chile immer noch Menschen gibt, die keine Gleichberechtigung, keine soziale Gerechtigkeit erleben: Die Mapuche, die indigene Bevölkerung Chiles. Ihnen allen gehört unsere Solidarität und Unterstützung.

Unsere Achtung und Anerkennung gilt

Dr. Hernan Henriquez Aravena
Sergio S. Montecinos Alfaro
Oscar O. Sanhueza Contreras
Juan R. Macleod Treuer
Maria J. Ramirez Gallegos
Marta L. Ugarte Roman
die in ihrem Heimatland einen Kampf für die Freiheit aller Menschen führten, die das Leben liebten, die das Leben achteten, die sich für die Schwächsten im Lande einsetzten, die nicht wegsahen und sich nicht duckten.

Geben wir ihnen das Versprechen, diesen Kampf in ihrem Sinne weiter zu führen. Zwei Blumen, die rote Nelke für Freundschaft und Kampf, die rote Rose für Liebe und Vertrauen als Symbol, dass ihr Anliegen auch unser Anliegen ist.

Frankfurt am Main, 11. September 2010, Bruni Freyeisen, DKP Frankfurt

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