EMIL CARLEBACH 1914 - 2001

Ein unbeugsammer Kommunist und antifaschistischer Widerstandskämpfer

Emil Carlebach über das KZ Buchenwald auf YOUTUBE

Am 9. April 2001 verstarb in Frankfurt am Main nach langer Krankheit der Kommunist und antifaschistische Widerstandskämpfer Emil Carlebach.

Emil CarlebachEmil, 1914 in einer bürgerlichen, jüdischen Familie geboren, kam unter dem Eindruck des Justizmordes an Sacco und Vanzetti über den Sozialistischen Schülerbund zur kommunistischen Bewegung und wurde mit 18 Jahren Mitglied der KPD. Mit knapp 20 Jahren wurde er 1934 verhaftet wegen der Herstellung antifaschistischer Gewerkschaftszeitungen und zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt, danach 1937 ins KZ Dachau und 1938 ins KZ Buchenwald verschleppt.

Emil CarlebachIn Buchenwald wurde er schon bald in die illegale Lagerorganisation der Häftlinge integriert. Obwohl Juden eigentlich keine Funktionen bekleiden durften, gelang es der Häftlingsorganisation, Emil Carlebach zum Blockältesten im Block der jüdischen Häftlinge zu machen. Dort konnte er durch umsichtiges Handeln und klare Orientierung für die neu ankommenden Häftlinge dazu beitragen, dass viele von ihnen nicht am SS-Terror zerbrachen, sondern Mut fassten und damit überlebten. Zu Recht sah die SS in Emil Carlebach einen der Akteure des illegalen Widerstandes der Häftlinge im Lager Buchenwald. Als am Morgen des 6. April 1945 die SS sechsundvierzig deutsche und ausländische politische Häftlinge ans Tor befahl mit dem Ziel der Liquidierung, war sein Name darunter. Diese Häftlinge wurden jedoch von ihren Mitgefangenen vor der SS versteckt, und Emil Carlebach überlebte dadurch die Hölle von Buchenwald. Für ihn wurde der 11. April 1945, der Tag der Selbstbefreiung des Lagers, zum Tag der „zweiten Geburt“, wie er es einmal formulierte.

Diese Zeit hat er selbst einmal als die Schule seines Lebens bezeichnet. Dort wurde ihm – nicht mehr theoretisch, sondern in einem Kampf auf Leben und Tod – eingehämmert, dass Disziplin, Solidarität, Standhaftigkeit, Überzeugungstreue das Wichtigste im Leben sind. Und dort hat er, nach eigener Aussage, erlebt, was kollektiver Widerstand bedeutet. „Kommunisten sind Tote auf Urlaub“, so der Titel seiner Erinnerungen an diese Zeit.

Nach der Befreiung 1945 nach Frankfurt zurückgekehrt, stürzte er sich in mit seiner ganzen Kraft in den antifaschistischen und demokratischen Neubeginn in Hessen. Er war maßgeblich am Wiederaufbau der KPD beteiligt, Stadtverordneter in Frankfurt, Landtagsabgeordneter der KPD und Mitautor der hessischen Verfassung. Als einer der ersten Lizenzträger der Frankfurter Rundschau und ihr Chefredakteur war er bis zu seiner Absetzung durch die Amerikaner 1947 am Aufbau einer demokratisch und antifaschistisch orientierten Presselandschaft beteiligt.

Emil CarlebachAls Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Frankfurt, in Hessen und auf gesamtdeutscher Ebene in den Jahren 1946/47 machten er und seine Kameraden in den folgenden Jahren auf verhängnisvolle Entwicklungen aufmerksam, protestierten gegen schleppende Entschädigungszahlungen oder gegen die Rehabilitierung alter Nazis. Nach dem KPD-Verbot siedelte Emil Carlebach zeitweilig in die DDR über und arbeitete dort als Journalist. Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik wurde er über lange Jahre Mitglied des Präsidiums der VVN-BdA und leitender Redakteur der antifaschistischen Wochenzeitung Die Tat. Anfang der 70er Jahre übernahm er verstärkt Funktionen auch in der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora und vertrat die deutschen Kameraden als Vizepräsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Bis Ende der 90er Jahre hat Emil die unterschiedlichsten Funktionen innerhalb der DKP wahrgenommen und war bis zu seiner Krankheit noch Mitglied des Bezirksvorstandes Hessen.

Er war ein unbeugsamer Kommunist und scharfer Kritiker des kapitalistischen Systems und hat immer wieder auf die Gefahren der Rechtsentwicklung aufmerksam gemacht. Immer dem Schwur von Buchenwald verpflichtet: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung! Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!“ Wir Kommunistinnen und Kommunisten der DKP werden künftig ohne seinen Rat, ohne seine auch oft harte Kritik nach innen und außen weiterkämpfen müssen.

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