- Rede der VVN für Jung und Alt zur Erinnerung

Denkanstöße von der VVN-BDA für die Jungen und Alten

Aktualisiert: 8. April 2021

Am Gedenkstein der VVN im Praunheimer Friedhof am 26.03.21

Liebe Nachbarn und Freunde, liebe Kameradinnen und Kameraden der VVN

Die Frauen und Männer, die im Widerstand gegen das Naziregime standen, die dafür mit Zuchthaus und KZ bezahlt hatten, fanden sich in den Jahren 1946 und 1947 zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregime, VVN zusammen.

So auch die Antifaschisten und Widerstandskämpfer von Praunheim und Westhausen.

Sie verstanden sich als Interessenvertreter und Unterstützer der Widerstandskämpfer und Verfolgten des Nationalsozialismus.

Sie waren sich unabhängig von der parteilichen Zugehörigkeit als Sozialdemokraten, als Kommunisten, als Christen und Parteilose einig.

Nie wieder Faschismus

Nie wieder Krieg

Männer wie Emil Carlebach, Otto Roth

Erinnerten uns beharrlich an den internationalen Schwur der Überlebenden von Buchenwald, nach der Selbstbefreiung am 19. April 1945 an der sie selbst teilgenommen hatten.

Die Vernichtung des Nazismus, mit seinen Wurzeln ist unsere Losung
Der Aufbau einer neuen Welt
Des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

1945 hatten die Frauen und Männer aus dem Wiederstand, die aus den KZs und Zuchthäusern kamen nur dieses Ziel.

Bereits in den Monaten, Juli, August und September 1945 trafen sich die Frankfurter Vorstände der KPD und der SPD, um einen gemeinsamen Aktionsausschuss zu bilden. Für die Zusammenarbeit formulierten sie fünf Aufgaben. Als erste Aufgabe wurden die Liquidierung der Überreste des Nazismus und der Wiederaufbau des Landes auf einer festen demokratischen Grundlage genannt.

Unterzeichnet ist die Erklärung von den Vorsitzenden beider Parteien.

Walter Fisch für die KPD.

Für die SPD unterzeichnete Willi Knothe.

Weitere Unterzeichner für die KPD sind Oskar Müller, Ernst Eichelsdörfer, Emil Carlebach und Martin Kirch.

Für die SPD unterzeichneten Franz Ulrich, Rolf Menzer, Kurt Haenschler und Fritz Schäfer.

Nach dem Ende der Barbarei kam erst allmählich das gesamte Ausmaß des Ungeheuren Leides und Verbrechen dieser 12 Jahre ans Licht.

Nicht nur die Opfer der Millionen gefallener Soldaten und Zivilisten.

Aber das Ungeheuerlichste, die deutschen Faschisten hatten achtzehn : 18 Millionen Menschen aus fast allen europäischen Ländern in die KZs getrieben.

Elf Millionen davon wurden erschossen, erschlagen, im Gas getötet, Unzählige verhungerten in den industriellen Vernichtungslagern, die Ungeheuerlichkeit des Vergasens von Männern, Frauen und Kindern, das gnadenlose System, Vernichtung durch Arbeit, an der sich das deutsche Großkapital im Bunde mit der SS bereicherte.

Opfer waren Juden, Sinti und Roma, russische Kriegsgefangene, Behinderte, Homosexuelle, wiederständige Christen, Kommunisten, Sozialdemokraten und viele andere.

Das Ziel, Platz zu machen für das neue riesige Ostreich.

Dieses Ziel steckt bis heute noch in manchen Imperialen Köpfen.

Was Napoleon nicht schaffte, das deutsche Kaisereich nicht schaffte, die faschistischen Räuberheere nicht schafften, brüten zurzeit amerikanische und deutsche Nato Denkfabriken neu aus und machen sich und einigen Politikern glauben, es sei möglich begrenzte Atomkriege zu führen.

Da die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aber Frieden will, wird sie auf allen Kanälen bearbeitet endlich einzusehen, dass die Russen bös und gefährlich sind und uns bedrohen.

Unsere Kriegsministerin ist stolz darauf, dass deutsche Piloten jetzt den A-Bomben Abwurf über Moskau üben konnten. (So im Herbst 2020) Für diesen Zweck hat sie gleich noch 30 Bomber in den USA bestellt. Dieses gefährliche Spiel mit unser Zukunft müssen wir stoppen.

Die Enkel und Omas wollen Frieden in Europa.

Die Größte Nachkriegslüge, „Hitler ist an allem Schuld

Nein der Größenwahn der deutschen Eliten und das Großkapital aller Fraktionen sind und waren die Schuldigen.

Unsere alten Widerstandskämpfer, wie Emil Carlebach, Peter Gingold, Hans Schwert, Lore Wolf, Lotte Schmidt, Lina Schwee mahnten uns Jugendliche immer wieder, seid nicht so vertrauensvoll

„der Schoß ist Fruchtbar noch aus dem das kroch“

Was ist das für ein Schoß, aus dem das Übel kriecht, es ist der Schoß des Geburtsfehlers der Einheit Deutschland, aus Blut und Eisen geschmiedet, in einem fremden Bett in Frankreich geboren.

Für die Eliten im Kaiserreich formulierte es Kaiser Wilhelm II mit unsäglich widerlichen Sprüchen.

Einige Kostproben:

„Es ist mir vollkommen gleichgültig ob in dem Reichstagskäfig rote, schwarze oder gelbe Affen herum springen.“

„Sozialdemokraten? Diese vaterlandslosen Gesellen!“

„Ehe nicht die sozialdemokratischen Führer durch Soldaten aus dem Reichstag herausgeholt und füsiliert sind , ist keine Besserung zu erhoffen.“ (Erschossen)

„Uns, dem deutschen Volke, sind die großen Ideale zu dauernden Gütern geworden, während sie anderen Völkern mehr oder weniger verloren gegangen sind.

„Gott hat uns gerufen, um die Welt zu zivilisieren; wir sind die Missionare des menschlichen Fortschritts und das Salz der Erde.“

„Die Presse, die Juden und Mücken sind eine Pest, von der sich die Menschheit befreien muß - I belive the best would be gas.“

Das hat er alles nicht nur mal so gesagt. Auf Klopapier, auf Kalendern in den Wohnstuben, in den Zeitungen und an den Stammtischen pflanzte sich das tief ins deutsche Bewusstsein ein.

Das deutsche Volk von Gott beauftragt, aber 20 bis 30 % der Bevölkerung wurden als minderwertig von „völkischen Wissenschaftlern“ im Kaisereich betrachtet, die waren nicht gemeint, die waren später bei den Nazis zur Vernichtung oder Kastrierung vorgesehen.

Dass die Kaiserzeit bei unserer Kriegsministerin noch politische Antriebskraft besitzt, zeigt das letzte Beispiel.

Da schickt jetzt unsere Kriegsministerin ein Kriegsschiff in das Chinesische Meer um den Chinesen zu drohen „ sich wohl zu verhalten.“

Denkt diese Frau, dass die Chinesen die Kanonenbootspolitik und Hunnenrede des deutschen Kaisers vergessen hat?

Als er die deutsche Flotte zum Raubkrieg nach China verabschiedete.

„Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Gefangene werden nicht gemacht! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“[2]

Gegen diese rassistische, menschenverachtende, überhebliche Politik im deutschen Kaiserreich kämpften die Sozialdemokraten mit ihrer Zeitung dem

„Vorwärts

“ um die Köpfe der Arbeiterklasse sehr erfolgreich, trotz Verboten, Unterdrückung und Verfolgung. Für den Internationalismus der Arbeiterklasse aller Länder. Keinen Groschen, keinen Mann für Krieg und Militarismus. Dafür kämpften August Bebel, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Dafür wurden sie gehasst verfolgt und ermordet.

Die Mörder genossen ungestraft ihre Freiheit.

So wie heute hunderte Neonazis per Haftbefehl gesucht aber nicht gefunden werden.

Die faschistische Ideologie und überhebliches Deutschtum, sind die Ursache der vielen rassistischen Morde der letzten Jahre, wie Hanau vor einem Jahr . „der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das Kroch“

Bertolt Brecht Theaterstück „Der unaufhaltsame Aufstieg des Aturo Ui

So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert -
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“
[1]

Die immer schamlosere Stimmungsmache auf allen Kanälen gegen Russland, untermalt mit Säbelrasseln und Verlegung von Panzerbrigaden an die Russische Grenze. Deutsche Militärstiefel trampeln da schon wieder, jetzt zum dritten Mal, schamlos gewissenlos provozierend herum. Sie trampeln auch auf den Gefühlen des russischen Volkes.

Die Frauen und Männer die 1948 diesen mahnenden Gedenkstein stifteten. Mahnen uns : passt auf!

Der FRANKFURTER WIDERSTAND

Am 1. August 1945 wurde auf der ersten Seite der Frankfurter Rundschau schwarz umrandet, 24 Namen Aufgelistet. Unter der Überschrift: "Unsterbliche Opfer"
Die hier genannten 24 ermordeten Frankfurter Antifaschistinnen und Antifaschisten gehörten zu dem Kreis der insgesamt 1.427 aktiven Frauen und Männer des Widerstands. Sie wurden von den faschistischen Machthabern auf dem Schafott in Frankfurt-Bonames und in anderen Städten getötet.

Darunter auch der damals 31-jähriger Genosse Otto Häuslein aus Praunheim; er war Installateur und  hatte - wie der ebenfalls in Praunheim wohnende sozialdemokratische Genosse Albrecht Ege - Flugblätter gegen den Krieg verteilt und weitererzählt, was sie in ausländischen Radiosendern über den Kriegsverlauf gehört hatten.

Wie war es zu diesem Wiederstand gekommen? Hier am Beispiel Praunheim und Westhausen.

Die Gefahr des Faschismus wurde Anfang der dreißiger Jahre immer deutlicher, die Arbeiterbewegung versuchte sich gegen die Atacken der SA zu wappnen. Die Aktionseinheit der AK wurde diskutiert, problematisiert. Aber die ideologischen Differenzen besonders zwischen den Führungen der SPD und KPD verhinderten eine Vereinbarung. Vor Ort gab es viele Beispiele der gemeinsammen Verteidigung vor den SA Schlägertrupps.

In dieser Zeit – also ab 1932 - trafen sich im Praunheimer Nidda-Gasthof Bender-Schuch, Sozialdemokraten und Kommunisten, um über gemeinsamen Widerstand gegen das Nazi-Regime zu beraten.

In ihrem Buch, "Arbeiterwiderstand in Frankfurt am Main - Gegen den Faschismus 1933-1945", zitiert Barbara Mausbach den Westhausener Kommunisten

Wilhelm Schuster.Er erzählte: "Bis zum Frühjahr 1935 bin ich fast jeden Sonntagmorgen mit meinen Kindern zu Bender-Schuch in die Wirtschaft in Praunheim gegangen. Da haben sich die SPD-Genossen getroffen: Ernst Mulansky, Hans Hofmann, Heiner Bender u.a. Im Frühjahr 1935 haben sie dann gesagt: "...gut, wir schließen uns Euch an.
Das war dann die Einheitsfront."

Nach Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933

Beginnen die Verfolgungen, Der Widerstand musste in die Illegalität.

Unter diesen gefährlichen Bedingungen, wurde die Notwendigkeit desgemeisammen, solidarischen Kampfes und gegenseitige Hilfe immer notwendiger.

Ein Höhepunkt bei den Bestrebungen für die Einheitsfront, bildete das erste Einheitsfrontabkommen in Deutschland, das 1934 in Frankfurt zwischen SPD und KPD beschlossen wurde. Es wurde beispielgebend für viele deutsche Städte.

Am 11.März 1933 veröffentlichte das "Frankfurter Volksblatt" den Aufruf von Adolf Hitler:

"SA- und SS-Männer! ..lasst Euch in  keiner Sekunde von unserer Parole wegbringen! Sie heißt: Vernichtung des Marxismus."

Das ist ihnen nicht gelungen, der Widerstand in Frankfurt wurde oft zerschlagen, hat sich aber immer wieder neu formiert.

Barbara Mausbach -Bromberger hat das eindrucksvoll in dem Buch Arbeiterwiderstand in Frankfurt von 1933 .1945 recherchiert und beschrieben.

Als diese Gedenktafel im Jahr 1948 von der damaligen VVN - Praunheim-Westhausen - eingeweiht wurde,
spührten sie schon den beginnenden Kalten Krieg

Da lag die Befreiung Frankfurts durch amerikanische Truppen, 26-29.März 1945, erst drei Jahre zurück.

1945 haben die Frauen und Männer der ersten Stunde begonnen, nicht nur Trümmer und Schutt auf den Straßen, sondern auch in den Gehirnen vieler Menschen wegzuräumen.

Die meisten von ihnen gehörten der SPD und der KPD an. Sie waren vor Ort und besetzten die Ämter, um unbürokratisch und möglichst schnell für die Bedürftigen Wohnraum, Nahrung und Arbeit für den täglichen Lebensunterhalt zu organisieren.

In Westhausen zählten zu ihnen: Valentin Müller (er wurde sogar in den ersten Befreiungstagen zusammen mit anderen kurzzeitig inhaftiert, weil er und seine Genossen ohne polizeiliche Erlaubnis Wohnungen von bekannten Nazis beschlagnahmt hatten);

weiter zählten zu den aktiven Antifaschisten: Ludwig Münch, Hermann Nichter, Franz Siegl, Franz Schmitz und seine Frau Mary Schmitz und Willi Reis; in Praunheim und der Römerstadt die Antifaschisten Otto Roth und seine Frau Gretel, der Sohn Artur Roth, Peter Lang, Frans Hofmann Elly Hoffman, Karl Jamin und Emil Janus mit ihren Ehefrauen. Inge und Arnold Leeds und andere.

Sie kämpften für eine besser friedlichere Welt

Heute -  nach 76 Jahren Nachkriegsgeschichte – hat sich die Art und Weise der Unsicherheit, der Bedrohung und der Ungerechtigkeit zwar geändert. Aber die aktuellen Konflikte mobilisieren neue jugendliche Kräfte.

Sie wollen - wie wir alle - ohne Zukunftsangst in einer humanistischen Welt leben.

Die Opfer mahnen uns!

Werden wir ihren Mahnungen gerecht, in der Friedensbewegung, beim Ostermarsch, am 1. Mai und sind überall sonst solidarisch, wo sich Mitmenschen gegen Rassismus, Ausbeutung und Neofaschismus wehren.

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